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Kinder einschlafen lassen: wenn der Kopf abends noch weiterreden will

Michael Hoffmann · Stand

Kennst du das? Du hast das Buch gerade zugeklappt, da ruft dein Kind: „Papa, ich muss dir noch was erzählen.“ Kinder schlafen leichter ein, wenn ihr Kopf den Tag abgeben darf, bevor das Licht ausgeht. Ein Abend, der immer gleich abläuft, und eine Geschichte, die zum Schluss leiser wird, helfen dabei mehr als Ermahnungen.

Woran du es merkst

Es ist halb acht. Die Zähne sind geputzt, und ihr habt zwei Bücher gelesen. Du stehst auf, und in diesem Moment ist dein Kind hellwach. Es erzählt dir von der Schnecke am Zaun der Kita und vom Streit um die rote Schaufel, und dann will es wissen, ob Fische eigentlich schlafen.

Danach beginnt die zweite Runde. Dein Kind hat Durst, obwohl das Glas Wasser neben dem Bett steht. Es muss noch einmal aufs Klo, und auf dem Rückweg fällt ihm ein, dass morgen Turnen ist und die Turnschuhe noch im Auto liegen. Jede Bitte ist für sich harmlos, nur hören die Bitten nicht auf.

Dabei sieht dein Kind müde aus. Es reibt sich die Augen und gähnt, und trotzdem wird es mit jeder Minute zappeliger, als hätte jemand in ihm einen kleinen Motor angeworfen. Um Viertel nach acht hüpft es auf der Matratze, und du verstehst die Welt nicht mehr.

Du sitzt auf der Bettkante, und dein Bein ist längst eingeschlafen. In deinem Kopf läuft schon die Liste für den Rest des Abends, mit der Spülmaschine und den Brotdosen für morgen. Irgendwann sagst du: „Jetzt wird aber geschlafen!“ Du hörst selbst, dass es schärfer klingt, als du wolltest.

Wenn du dich hier wiederfindest, bist du nicht allein. In vielen Familien ist das Zubettgehen die längste halbe Stunde des Tages. Das liegt nicht an fehlender Strenge, sondern daran, wie ein Kinderkopf am Abend arbeitet.

Was dahinter steckt

Der Tag deines Kindes ist voller Neuem. Es hat Freundschaften geschlossen und wieder gekündigt, und es hat Dinge gesehen, die es noch nicht ganz versteht. Tagsüber bleibt dafür keine Zeit, weil schon das Nächste wartet. Erst wenn es still wird, meldet sich das alles, und dein Kind hat genau einen Menschen in der Nähe, dem es davon erzählen kann: dich.

Dazu kommt der Abschied. Schlafen heißt für ein Kind auch, dich für eine Nacht loszulassen. Das Glas Wasser und der dritte Gang zum Klo sind deshalb oft ein Weg, dich noch ein bisschen festzuhalten. Hinter „Ich hab Durst“ steckt dann ein „Bleib noch kurz“.

Und die Müdigkeit sieht bei Kindern oft anders aus, als du erwartest. Wenn ein Kind länger wach bleibt, als seine Müdigkeit es erlaubt, schaltet sein Körper häufig noch einmal hoch. Es wird zappelig und redet schneller, und von außen sieht es aus, als wäre es gar nicht müde. Das Zeitfenster, in dem es leicht eingeschlafen wäre, ist dann schon vorbei.

Kinder lieben Wiederholung, und das hat einen guten Grund. Wenn jeder Abend in derselben Reihenfolge abläuft, weiß dein Kind bei jedem Schritt, was als Nächstes kommt, und sein Körper stellt sich darauf ein. Aus demselben Grund will es auch dieselbe Geschichte zum zehnten Mal hören. In einer bekannten Geschichte passiert nichts Neues mehr, und ein Kopf, der auf nichts mehr gespannt sein muss, kommt zur Ruhe. Beim Zuhören folgt er einer fremden Geschichte statt seinem eigenen Tag, und deine Stimme sagt ihm dabei die ganze Zeit, dass du noch da bist.

Was viele tun, und warum es nicht hilft

Du erklärst, warum Schlaf wichtig ist: „Morgen bist du sonst müde, und in der Kita wird es anstrengend.“ Das ist richtig, nur kann ein Kind am Abend mit dem Morgen wenig anfangen. Es lebt im Jetzt, und jedes Argument ist für seinen Kopf ein neues Gesprächsthema.

Du legst dein Kind später ins Bett, damit es dann richtig müde ist. Oft passiert das Gegenteil: Es verpasst den Moment, in dem es leicht eingeschlafen wäre, und wird noch einmal munter. Dann dauert der Abend länger, obwohl er später angefangen hat.

Du liest eine spannende Geschichte vor, weil dein Kind sie sich wünscht, und danach noch eine. Piraten und Drachen sind wunderbar, solange es draußen hell ist. Am Abend wecken sie genau den Kopf auf, den du zur Ruhe bringen willst, und jede neue Geschichte öffnet eine neue Welt, statt den Tag zu schließen.

Du lässt dein Kind vor dem Zähneputzen noch eine Folge schauen, damit es herunterkommt. Nach einem langen Tag ist das oft die einzige ruhige Viertelstunde, auch für dich. Für den Kopf deines Kindes ist sie selten ruhig, denn die Bilder sind schnell und hell, und am Ende steht der Wunsch nach der nächsten Folge.

Und irgendwann wirst du laut. Das ist menschlich, denn auch dein Tag war lang. Für dein Kind ist dein scharfer Ton aber ein kleiner Schreck, und mit klopfendem Herzen schläft es schwerer ein als vorher.

Alle diese Wege kommen aus dem verständlichen Wunsch, dass endlich Ruhe ist. Ein Kinderkopf lässt sich aber nicht ausknipsen wie eine Lampe, er braucht einen Weg, auf dem er langsamer werden darf.

Was wirklich hilft

Gib dem Tag eine eigene Erzählzeit, bevor das Licht ausgeht. Setz dich nach dem Zähneputzen zu deinem Kind und frag: „Was war heute schön, und was war doof?“ Lass es erzählen und hör einfach zu. Wenn später im Dunkeln doch noch eine Frage kommt, schreib sie auf einen Zettel, kleb ihn an die Tür und sag: „Die Frage heben wir uns fürs Frühstück auf.“ Am nächsten Morgen holt ihr den Zettel zusammen von der Tür, damit dein Kind merkt, dass nichts verloren geht.

Mach den Abend vorhersehbar. Legt gemeinsam eine Reihenfolge fest, die jeden Abend gleich bleibt: Schlafanzug, Zähne, Erzählzeit, Geschichte, Licht aus und am Ende immer derselbe Satz. Malt die Schritte zusammen auf ein Blatt und hängt es neben das Bett. Dann muss nicht jeder Abend neu verhandelt werden, weil der Plan schon feststeht.

Wähl Geschichten, die leiser werden. Eine gute Gute-Nacht-Geschichte endet an einem ruhigen Ort, an dem jemand schlafen geht. Lies zum Schluss langsamer und etwas leiser, und mach am Ende eine lange Pause, bevor du das Buch zuklappst.

Fang früher an, als die Uhr es dir sagt. Achte auf die ersten Zeichen von Müdigkeit, auf das Augenreiben und das plötzliche Quengeln, und beginne dann mit dem Ritual. So erwischt ihr das Zeitfenster, bevor der Körper deines Kindes noch einmal hochschaltet.

Eine kleine Übung für heute Abend: Dein Kind legt sich auf den Rücken, und du setzt sein liebstes Kuscheltier auf seinen Bauch. Das Kuscheltier sitzt heute in einem kleinen Boot auf einem stillen See. Wenn dein Kind einatmet, hebt sich das Boot, und wenn es ausatmet, sinkt es wieder ein Stück. Sag leise dazu: „Rauf … und runter.“ Nach ein paar Atemzügen sprichst du langsamer, später sagst du nur noch „runter“, und irgendwann sagst du gar nichts mehr. Dein Kind schaut seinem Boot beim Wiegen zu, bis es selbst ganz still liegt.

So übst du es mit Innenstark®

Das Boot aus der Übung oben ist der Kern einer der drei Geschichten im Thema Einschlafen mit Filo: Gute-Nacht-Geschichten für Kinder in der Innenstark®-App. In „Filo und das Boot auf dem Zaubersee“ klettert dein Kind zu Filo, einem klugen kleinen Fuchs, in ein Holzboot, und das Boot wiegt die beiden ganz langsam hin und her, so wie der Atem deines Kindes. In „Filo und die Laternen im Wald“ pustet Filo auf dem Weg zum See kleine Laternen aus, und mit jeder Laterne wird ein Stück deines Kindes müde und warm. Die Geschichten sind für Kinder von 4 bis 8 Jahren gemacht, und am schönsten ist es, wenn ihr sie gemeinsam hört. Du machst das Licht klein und setzt dich ans Bett oder legst dich dazu, und dein Kind hört einfach zu. Am Ende jeder Geschichte bleibt es liegen und schläft weiter. Wenn ihr für euer Ritual noch einen letzten Satz sucht, nehmt den aus diesem Thema: „Filo ist da, und ich darf schlafen.“

Einschlafen mit Filo in der App hören

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Häufige Fragen

Wie lange sollte ein Einschlafritual dauern?

Für die meisten Familien reicht eine halbe Stunde vom Schlafanzug bis zum Licht aus. Wichtiger als die Länge ist, dass die Schritte jeden Abend in derselben Reihenfolge kommen. Ein kurzes Ritual, das immer gleich bleibt, hilft deinem Kind mehr als ein langes, das sich ständig ändert.

Warum will mein Kind jeden Abend dieselbe Geschichte hören?

Dein Kind weiß, wie sie ausgeht, und genau das beruhigt. Eine bekannte Geschichte hält keine Überraschung bereit, deshalb kann sein Kopf beim Zuhören zur Ruhe kommen. Du darfst dich also freuen, wenn du dasselbe Buch zum zwanzigsten Mal vorliest.

Was mache ich, wenn mein Kind immer wieder aufsteht?

Bring es ruhig und mit wenigen Worten zurück ins Bett, ohne ein neues Gespräch anzufangen. Je langweiliger dieser Moment für dein Kind ist, desto schneller verliert er seinen Reiz. Ein fester Satz, den du jedes Mal gleich sagst, hilft dir dabei, selbst ruhig zu bleiben.

Für welches Alter sind die Gute-Nacht-Geschichten mit Filo gedacht?

Die drei Geschichten sind für Kinder von 4 bis 8 Jahren gemacht. Dein Kind muss dabei nichts können, es legt sich hin und hört einfach zu. Am Ende bleibt es liegen und schläft weiter.

Über den Autor

Michael Hoffmann

Michael Hoffmann ist Senior Coach (DBVC), ICI Master Coach Trainer, systemischer Coach und Organisationsberater. Er begleitet Führungskräfte, Teams und Organisationen in Veränderungsprozessen und unterstützt Menschen dabei, zu mehr Klarheit, innerer Stärke und Selbstwirksamkeit zu finden.